SchülerInnen der Nationalparkhauptschule auf den Spuren von Dschingis Khan

SchülerInnen der Nationalparkhauptschule auf den Spuren von Dschingis Khan

Eine Kooperation zwischen dem mongolischen und dem österreichischen Umweltministerium, in deren Agenden auch der Naturschutz und die Nationalparks fallen, machte es möglich, dass eine Schulklasse der Nationalparkhauptschule Winklern im Rahmen eines Schüleraustausches einen zweiwöchigen Aufenthalt in der Mongolei absolvierte. Die enge Kooperation mit dem Nationalpark Hohe Tauern führte dazu, dass unsere Schule für dieses wohl einzigartige Projekt ausgewählt wurde. Der Nationalpark Hohe Tauern, der neben dem Naturschutz auch einen wichtigen Bildungsauftrag hat, unterstützte diese Expedition in das ehemalige Reich Dschingis Khan´s maßgeblich.

Ende April besuchte eine Schülergruppe aus dem fernen zentralasiatischen Land den Nationalpark Hohe Tauern, um einen kleinen Einblick in die Naturschönheiten unserer Region zu gewinnen und sich ein Bild vom Leben der Bewohner der Alpenrepublik zu machen. Dabei lernten unsere SchülerInnen die mongolischen Kinder kennen und so wuchs die Vorfreude auf diese, in einem Schülerdasein wohl außergewöhnliche Reise, kräftig.

Einen Monat später machten sich die 24 SchülerInnen der 4b Klasse mit ihren 4 BegleiterInnen aus Schule und Nationalparkverwaltung für 2 Wochen als Botschafter der Nationalparks Österreichs auf den Weg, um auf abenteuerliche Weise dieses für Europäer weitgehend unbekannte, und vielfach fast unberührte Land zu erkunden. Großartig organisiert vom mongolischen Umweltministerium genossen wir einen Einblick in die unendlichen Weiten dieses riesigen Landes, staunten über gewaltige Vieherden (Ziegen, Schafe, Rinder und Pferde) auf die die größten Bauern Österreichs ob ihrer Zahl neidisch blicken würden, und wunderten uns auf welchen „Verkehrswegen“ ein vollbesetzter alter Bus die enormen Entfernungen überwinden kann. Manchmal mussten wir auch tatkräftig anschieben, um das Gefährt in den Sandverwehungen wieder flott zu bekommen. Der Besuch von Nomadenbauern gewährte uns einen Einblick in diese heute auf dem Land noch immer vorherrschende Lebensform. Im Camp Bayan Gobi, am Rande der unwirtlichsten und zweitgrößten Wüste unseres Planeten, erreichte unser Abenteuer seinen Höhepunkt, als auf heftige Sandstürme ein Wintereinbruch mit Schneesturm und gewaltigen Schneeverwehungen folgte und uns lehrte, dass Wüste nicht unbedingt mit Hitze gleichzusetzen sei. Fasziniert von der Beschaulichkeit und vor allem der Bescheidenheit dieser stolzen Menschen, versuchten wir uns darauf zu besinnen, dass es neben materiellen Dingen und Rastlosigkeit auch noch andere Werte gibt, für die es sich lohnt zu leben. Dieses Leben von der Natur und vor allem im Gleichklang mit der Natur beeindruckte unsere Jugendlichen ebenso wie uns Erwachsene. Die wenigen noch erhaltenen buddhistischen Heiligtümer, die nicht in der Zeit der russischen Okkupation zerstört wurden, waren Fixpunkte auf unserer Route. Die Gastfreundlichkeit dieses Reitervolkes – ein eigenes Pferd bekommt hier ein Kind sobald es laufen kann – lernten wir nicht nur in den behaglichen Gers (Jurten) kennen, sondern auch in der fürsorglichen Verpflegung in den diversen Camps. Die traditionellen mongolischen Gerichte waren für unsere Gaumen zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, wir lernten aber bald, dass ein richtiger Mongole eigentlich nur Fleisch isst. Der Unerbittlichkeit der Natur sahen wir täglich ins Auge, wenn nach Kälteeinbrüchen und Sandstürmen am Tag darauf immer wieder tote Tiere unsere Wege, die vielfach querfeldein führten, säumten. Für deren Beseitigung ist vorgesorgt, Wölfe und Aasgeier nehmen als Gesundheitspolizei sofort ihre Arbeit auf und unser Mitleid mit den armen Tieren wich dem Verständnis für die Naturgesetze, dass diese extremen Witterungsbedingungen zur Selektion im Tierreich führt und schwache und kranke Tiere auf der Strecke bleiben. Uns wurde aber auch vor Augen geführt, dass die klimatischen Veränderungen auch vor diesem fernen Land nicht Halt machen und eine schon über mehrere Jahre andauernde Trockenheit mit einem viel zu dichten Viehbesatz und dadurch kahl gefressenen Böden die Nomaden vor große Probleme stellt.

Der Besuch mehrerer verschiedener Nationalparks lehrte uns, dass der Schutz der Natur und die Erhaltung unberührter Räume weltweit ein ernstes Anliegen sind. Das Glück war auf unserer Seite, als wir im Khustain Nuruu Nationalpark den überaus seltenen Przewalsky Pferden Aug in Aug gegenüberstanden. Diese Region ist weltweit der einzige Ort, wo dieses stolze Wildpferd außerhalb von Zoos noch frei lebend vorkommt.
Unsere SchülerInnen gewannen auf dieser Abenteuerreise unvergessliche Eindrücke vom Leben der Menschen in einer völlig anderen Welt. Dass diese Reise so gut verlief und für alle Beteiligten ein wohl unvergessliches Erlebnis wurde, ist auch auf die umfangreiche und gewissenhafte Vorbereitung in der Schule zurückzuführen. Der Direktor und die begleitenden LehrerInnen der Nationalparkhauptschule und der Mitarbeiter des Nationalparks Hohe Tauern bedanken sich bei den Eltern der SchülerInnen für das große entgegengebrachte Vertrauen, denn schließlich ist eine solch außergewöhnliche „Schulveranstaltung“ auch mit einer außerordentlichen Verantwortung verbunden. Die SchülerInnen bedankten sich für diese „Expedition“ mit enormen Interesse und einem unbändigen Teamgeist. Die Belohnung für alle TeilnehmerInnen sind Erfahrungen fürs Leben, der Begriff der „Erlebnispädagogik“ erfährt hier eine neue Bedeutung.

 

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